Hier bei uns wird das Martinisingen zu Ehren von Martin Luther begangen. Er wurde am 10. November (unserem Martintag) in Eisleben geboren, am 11. November getauft und erhielt den Namen des Tagesheiligen Martin von Tours. Zu Ehren des heiligen Martin von Tours wird anderswo traditionell das Martinisingen am 11. November gefeiert. Dieser hatte seinen Mantel mit dem Schwert zerschnitten, um einem frierenden Bettler zu wärmen.

Die Tradition in Ostfriesland und besonders im Rheiderland beruht auf Martin Luther, dem Mitbegründer der evangelischen Kirche und dem Übersetzer der Lutherbibel, die vorher nur in Latein geschrieben war.

In Ostfriesland wurden früher die Landarbeiter und das Dienstpersonal am Martinstag in die Winterpause entlassen. Diese weitgehend besitzlosen Bevölkerungsschichten mussten die kalte Jahreszeit ohne eigenes Einkommen überbrücken. Einen kleinen Beitrag dazu leisteten die Kinder, die an diesem Tag von Haus zu Haus zogen und vor allem bei wohlhabenden Bauern und Bürgern um Gaben bettelten. Sie erhielten Pfeffernüsse (Pēpernööten) und Äpfel. Die Kinder führten Laternen (Kippkappkögels) mit sich.

Heute noch ziehen die Kinder nach der Dämmerung mit einer Laterne von Tür zu Tür, singen Martinilieder und erhalten kleine Gaben.

Auch unsere Kitakinder ziehen jedes Jahr mit ihren selbstgebastelten Laternen singend durch die Straßen von Bunde.

Am 10. November ist in Bunde noch oft das alte traditionelle Lied zu hören:

Martinus Luther war ein Christ

Martinus Luther war ein Christ,
ein glaubensstarker Mann.
Weil heute sein Geburtstag ist,
zünd’ ich mein Lichtlein an.

Und sing ein Lied nach altem Brauch
aus voller Brust heraus.
So singend zog Martinus auch
als Kind von Haus zu Haus.

Und als geworden er ein Mann,
war er ein helles Licht.
Dies deutet auch mein Lichtlein an,
wenn es die Nacht durchbricht.